Pastor Jan-Robert Beenen-Tandler
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  1. ---- Jan-Robert Beenen-Tandler (Homepage) auch: Jan-Robert Beenen.
  2. ---- Über den Autor Jan-Robert Beenen-Tandler. Aus: "Deutsches Schriftstellerlexikon 2004" Erschienen beim Bund Deutscher Schriftsteller BDS e.V. zu Dietzenbach.
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  10. ---- "Zweite Kratzauer Predigt vom 11. Mai 1997" von Pastor Jan-Robert Beenen-Tandler.
  11. ---- "Kreuzweg von Auschwitz" Bild von Stefan Mandrysch. Zingst. Gedicht: "Stiller Protest" von Jan-Robert Beenen-Tandler in dem neuen Buch Zumutungen.
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10. ---- "Zweite Kratzauer Predigt vom 11. Mai 1997" von Pastor Jan-Robert Beenen-Tandler.

Zweite Kratzauer Predigt


Pastor Beenen-Tandler bei seiner Predigt.


Worte vor der Predigt am 11. Mai 1997
in Chrastava/Kratzau in Nordböhmen.

Zum zweiten Mal Worte in einer Epoche, die in zweieinhalb Jahren ins 2. Jahrtausend gehen wird, an deutsche und tschechische Bürger, Menschen aus dieser Stadt, die in und um sie geweint, die in ihr und um sie geliebt haben und treu waren, und jetzt ein Zeichen von Frieden und Freundschaft setzen möchten.

Durch die unzähligen Besuche bei den Ordensschwestern in Chrastava hatte ich nicht mehr nur ein von Mutti und Großeltern erzähltes, sondern auch ein selbst erlebtes Kratzau.
Jan-Robert Beenen-Tandler stammt aus der Meistner-Tandler-Gärtnerei, Bahnhofstraße 368 in Kratzau.


Liebe tschechisch-sprachigen und deutsch-sprachigen Geschwister in Christus !
Mich bewegt es sehr, dass ich zum zweiten Mal nach fünf Jahren von dieser Kanzel zu Ihnen sprechen darf; in einer Kirche, in der tschechische und deutsche
Vorfahren meiner Familie gebetet haben und beheimatet waren. Mein Urgroßvater Robert Meistner war sogar Bürgermeister dieser Stadt. 
Dies dann auch noch in dem Jahr, in welchem unsere beiden Präsidenten Vaclav Havel und Roman Herzog in sehr starken und vorzüglichen Reden zu Themen wie Heimat und Versöhnung gesprochen und Stellung bezogen haben. Ja, was bedeutet nun Heimat und Versöhnung für mich ganz persönlich? Heimat ist von seinem Wortursprung verwandt mit ‚hime’, dann weiter entwickelt mit ‚heim’ und schließlich mit ‚himme’. Wenn jemand von uns verstorben ist, sagen wir häufig oder sehr oft sogar: „Er ist heimgegangen.“ Er lebt nach christlich-jüdischem Verständnis weiter: nämlich im Himmel, in der ewigen Heimat Gottes also, in der jeder seine Wohnung haben wird. Denn hier auf Erden sind wir nur die Mieter, sind wir die Verwalter dessen, was aus jüdisch-christlich-böhmischen Erbe für ganz Europa hervorgegangen ist und für ganz Europa immer und ewig prägend sein wird. Denn ein Recht auf Heimat in dieser Welt hat allein Gott.


Mein Urgroßvater Robert Meistner 1918
Bürgermeister von Kratzau


Als ich vor 17 Jahren zum Priester geweiht wurde, wählte ich Joh. 14, 1-6 als Lebensleitwort: „Euer Herz sei ohne Angst. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe hin euch eine Wohnung zu bereiten? Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“
Wie bezeichnend ist es da doch, wenn die deutschen Kratzauer am Fest Christi Himmelfahrt sozusagen in ihre Heimatstadt Kratzau gewallfahrtet sind, um in dieser Kirche gemeinsam mit den tschechischen Mitbürgern aus Chrastava die Hände zu falten, ein
Gebet zu sprechen und Gottesdienst zu halten.
Gottesdienst ist für mich – und wer meinen Ausführungen folgen will, kann es ebenso sehen: - gleichsam Heimatdienst. Gottesdienst ist – himmelhochjauchzend – Heimatdienst.
Sind wir einmal ehrlich zu uns selbst: Die Heimat finden wir hier nicht mehr in unserer Straße, nicht mehr bei unseren Nachbarn; unsere Schulen sind nicht mehr die Schulen unserer Kinder und Enkelkinder.
Heimat finden wir, wenn überhaupt, hier in unserer Kirche, auf dem Friedhof und in Gottes wunderbarer Schöpfung dieser nordböhmischen Landschaft, die keiner hätte besser darstellen können als der aus
Kratzau stammende Künstler Joseph Ritter von Führich, dessen 200. Geburtstag wir im Jahre 2000 begehen können. Und mit was für einer Ausdrucksstärke hat er biblische Themen mit seiner böhmischen Heimat in harmonische Einheit gebracht und gemalt. Es gab wohl keine Kratzauer Familie, die nach der Vertreibung nicht ein Foto der ’Maria im Grünen’ (ein Bild von Führich) aus dieser Kirche in ihrer Wohnung gehabt hätte als Ausdruck ihrer Verbundenheit mit der böhmischen Heimat.
Unser Glaube beinhaltet also, dass wir Heimat, Wohnung im Himmel erhalten werden; und wir glauben, dass heilige Menschen dort schon sind, wohin unser Herz noch strebt. In wenigen Tagen, am 16. Mai, feiert die katholische Weltkirche, aber vor allem das böhmische Volk, den Gedenktag des heiligen Jan Nepomuk, der im übrigen – neben dem reformatorischen Jan Hus – mein Namenspatron ist.
Nehmen wir uns doch diesen Heiligen: Jan Nepomuk einmal zur Brust; er gilt neben Wenzel als der böhmische Heilige schlechthin.
Sagen Sie mir doch nun: ,Ist Jan Nepomuk ein Tscheche oder ist er deutsch?’ – In meinem derzeitigen Wohnort Meppen steht eine Statue Johannes Nepomuks an der Emsbrücke: es ist auch wohl der nördlichste Ort in Deutschland, in dem Jan Nepomuk verehrt wird; und die Hauptkirche am Domhof von Meppen heißt Vitus (gleichen Namens wie der Veitsdom von Prag, und über die Mönche des Klosters Corvey ist die Verehrung dieses Heiligen nach Prag und auch nach Meppen gelangt). Oder: in unserer Patenstadt Eichstätt gibt es allein fünf Darstellungen des hl. Nepomuk (beim kurzen Durchblättern des Bildbandes, den mir der Kulturreferent der Stadt Eichstätt, Herr Schön, gestern abend geschenkt hat, hab ich's gelesen). 
Eichstätt ist nach dem Kriege die Patenstadt der vertriebenen Kratzauer geworden. Eichstätt hat sich auch Chrastava als tschechische Partnerstadt gewählt.
Nun noch einmal die Frage: ,Ist Jan Nepomuk tschechisch oder deutsch?’
Weiter frage ich: ,Ist Jan Hus, dessen Denkmal auf dem Altstädter Ring in Prag steht, (der große Kirchenreformator) deutsch oder tschechisch?’
Wir werden diese Fragen nicht eindeutig klären können.
So ziehe ich für mich den Schluß: ’Wer prägnant guter Europäer sein will, wird das geistige und geistliche Erbe aus der Mitte Europas pflegen und weiterführen. Dann ist er auch ein prägnant guter Böhme, ein prägnant guter Kratzauer.

Kirche St. Laurentius in Chrastava/Kratzau.

Nur Kirchen, Kunst und Kultur können Menschen miteinander verbinden. Im Eingang unserer gemeinsamen Heimatkirche befindet sich ein Plakat mit einem Text in tschechischer und deutscher Sprache. Es wurde von unseren lieben Ordensschwestern, die bis Juli 1993 im Pfarrhof gelebt haben, verfasst und gestaltet. Ich zitiere: „Unsere Kirche ist ein Gotteshaus, ein Haus des Gebetes und des Opferns; ein Ort der Sündenvergebung und der Barmherzigkeit; ein Ort des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, der Freude und der geschwisterlichen Einheit.
Glücklich sind die Völker und Volksgruppen, die bauen und erhalten und mit einem wahren Glauben im Herzen die Gotteshäuser besuchen.
Kirchen sind und bleiben ein Denkmal der Kunst, eine Stätte der Kultur, eine Schule des Charakters und ein Haus des lebendigen Gottes.“ AMEN.








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