Pastor Jan-Robert Beenen-Tandler
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8. ---- Grabes- und Auferstehungskirche in Jerusalem - "Fünf Sprossen an der Leiter" Bildmeditation von Jan-Robert Beenen-Tandler.

Fünfsprossige Leiter am Fenstersims

vor der Auferstehungskirche



 
MEDITATION

Vor 35 Jahren hatte ich das große Glück, ein Jahr lang in Jerusalem studieren zu können. Als ich das erste Mal den kleinen Platz vor der Grabes- und Auferstehungskirche Jesu Christi betrat, war das gesamte Portal der Kirche mit einem riesigen Baugerüst umstellt. Trotzdem war am rechten Fenster über dem Eingangsportal eine winzige, fünf-sprossige Holzleiter auffällig.
Im Laufe der Zeit erfuhr ich, dass fünf christliche Konfessionen Platzrecht in der Kirche haben: die Griechen, die Lateiner, die Armenier, die Kopten und
die Syrer.
Ich erfuhr ferner, daß es ab und an zwischen ihnen kleine Streitigkeiten gäbe: ich erfuhr vom Status quo - Vertrag aus der türkischen Besatzungszeit - und dass nur zwei moslemische Familien das Recht besitzen, die älteste Kirche der Christenheit morgens auf- und abends abzuschließen.
Sehr oft - bis heute - war ich mit Jugendlichen und Pilgergruppen im Hl. Land, und wir besuchten immer auch die Grabes- und Auferstehungskirche Jesu Christi. Mittlerweile war sie von außen restauriert, das Baugerüst war entfernt. Nur die kleine fünf-sprossige Leiter stand noch wie eh’ und je am Fenster über dem
Portal. Was sollte das? Zu welchem Zweck stand sie da? 
Dann einmal fragte ich einen älteren Franziskanerpater nach der merkwürdigen Leiter. Er erzählte mir: „Die Holzleiter, ja die Holzleiter. Die steht nach wie vor 
- schon seit über hundert Jahren - dort oben. Da keine der fünf christlichen Kirchen weiß, wem diese Leiter nun wirklich gehört, will auch keine den Status quo - Vertrag verletzen und die Leiter dort oben wegnehmen.“ Der Pater geriet bei seiner Schilderung fast schon ins Schwärmen.
In den letzten 18 Jahren las ich öfter schon mal Artikel über den heiligsten Ort der Christenheit, über die
kleine Leiter, über den Status quo - Vertrag aus der Türkenzeit; immer aber frotzelnd, spöttisch, ironisch oder sogar total zynisch: einfach so als Aushängeschild für die Zerstrittenheit der Christen untereinander.
Ich habe mir im Laufe der Jahre die Grabes- und Auferstehungskirche Jesu Christi sehr vertraut gemacht. Ich wurde in ihr heimisch. Ich entdeckte dabei Nuancen, Gesten und viele Kleinigkeiten von gegenseitigem Respekt, von gegenseitiger Achtung und Akzeptanz unter den fünf verschiedenen Konfessionen. Bei jeder gottesdienstlichen Feier werden zum Beispiel auch die Altäre der jeweils anderen Konfessionen mit Weihrauch geehrt. Und das bedeutet sehr, sehr viel. Aber auch Gespräche der verschiedenen Mönche untereinander habe ich häufig beobachtet.
Seither ist die fünfsprossige Leiter über dem Portal der Grabes- und Auferstehungskirche zu Jerusalem für mich ein positives Symbol, ein sozusagen fein-gesponnenes Sinnbild und Gleichnis für die weltumspannende Oekumene. Ich vermittle dies auch meinen Pilgergruppen im Hl. Land und spreche in Deutschland mit jedem darüber, der von mir irgendetwas von Oekumene hören will.
Deshalb sehe ich es als äußerst erfreulich an, daß die winzige Leiter auch heute immer noch dort oben steht und von der Einheit in Vielfalt zeugt.
Die Armenier, Griechen, Lateiner, Kopten und Syrer in der Grabes- und Auferstehungskirche gehören ebenso zur christlichen Weltkirche wie die äthiopischen Mönche auf dem Dach der Kirche oder die evangelisch-lutherischen Christen einen Steinwurf weit in der Erlöserkirche.
Millionen von gläubigen Pilgern sämtlicher christlicher Konfessionen haben den Ort der Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi besucht. Das ist lebendige Oekumene. Das ist zugleich Verpflichtung für die
Einheit in Vielfalt. Diese Verpflichtung müssen wir ernst und gleichsam locker nehmen.
Viele Ehepaare unterschiedlicher Konfession gehen heute einen ökumenischen Weg und sind von großer Hoffnung getragen. Sie nehmen nach und nach die Sprossen der Leiter der Oekumene zum Eheglück. Kleine Schritte sind erforderlich.
Gott hat die Welt nicht einer einzigen Religion, Konfession, oder gar Kultur zugeteilt. So einfältig ist Gott bestimmt nicht. Er hat die Welt in großartiger Vielfalt geschaffen. Die Einheit der Kirche ist nur eine Einheit in Vielfalt; sie
darf sich jedoch nicht auf Einfältigkeit begründen, da wir an den dreifaltigen Gott glauben, einen vielfältigen Gott also.

Jan-Robert Beenen-Tandler



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